Was ist CSR? Was ist Nachhaltigkeit? Was verbindet sie?

Corporate Social Responsibility (CSR) und Nachhaltigkeit sind eng miteinander verknüpft und werden teilweise synonym verwendet.

Was ist CSR?

Corporate Social Responsibility (CSR) bedeutet “Gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen”. Dabei handelt es sich um einen Managementansatz: Firmen gleich welcher Größe (EPU, KMU, Konzerne) sind für die Auswirkungen ihrer Tätigkeiten verantwortlich, sollen daher in Hinblick darauf verantwortungsvoll agieren und zu einer „Nachhaltigen Entwicklung“ beitragen.

CSR verlangt von den Organisationen daher eine Ausrichtung auf die Werte- und Erwartungshaltungen ihres Umfelds. CSR wird aber auch als eine Verpflichtung gegenüber Gesellschaft und Umwelt gesehen, über die Rechenschaft abzulegen ist.

Einen guten Einblick in CSR bietet das Kurz-Video Was ist eigentlich Corporate Social Responsibility (CSR)? der Universität St. Gallen.

Definitionen:

Eine der bedeutendsten Quellen für das aktuelle CSR-Verständnis ist das Grünbuch der Europäischen Kommission aus dem Jahr 2001. Die darin enthaltene Definition wurde von mehreren Organisationen übernommen und ist bis heute eine der bekanntesten CSR-Definitionen.

Europäische Kommission 2001

„Corporate Social Responsibility ist ein Konzept, das den Unternehmen als Grundlage dient, auf freiwilliger Basis soziale Belange und Umweltbelange in ihre Unternehmenstätigkeit und in die Wechselbeziehungen mit den Stakeholdern zu integrieren.“ (EU Kommission: Grünbuch, 2001)

Mit der Veröffentlichung der aktuellen CSR-Strategie der Europäischen Kommission lieferte diese eine neue, vereinfachte Definition – mit wesentlichen Änderungen und Ergänzungen:

Europäische Kommission 2011

„CSR ist die Verantwortung von Unternehmen für ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft.

Damit die Unternehmen ihrer sozialen Verantwortung in vollem Umfang gerecht werden, sollten sie auf ein Verfahren zurückgreifen können, mit dem soziale, ökologische, ethische, Menschenrechts- und Verbraucherbelange in enger Zusammenarbeit mit den Stakeholdern in die Betriebsführung und in ihre Kernstrategie integriert werden. Auf diese Weise

–   soll die Schaffung gemeinsamer Werte für die Eigentümer/Aktionäre der Unternehmen sowie die übrigen Stakeholder und die gesamte Gesellschaft optimiert werden;

–   sollen etwaige negative Auswirkungen aufgezeigt, verhindert und abgefedert werden.“ (EU Kommission, 2011: CSR-Strategie 2011-14)

Weitere ausgewählte CSR-Definitionen:

International Organization for Standardization (ISO)

„Gesellschaftliche Verantwortung: Verantwortung einer Organisation für die Auswirkungen ihrer Entscheidungen und Aktivitäten auf die Gesellschaft und Umwelt durch transparentes und ethisches Verhalten, das

-zur nachhaltigen Entwicklung, Gesundheit und Gemeinwohl eingeschlossen, beiträgt;

-die Erwartungen der Anspruchsgruppen berücksichtigt,

-anwendbares Recht einhält und im Einklang mit internationalen Verhaltensstandards steht; und

-in der gesamten Organisation integriert ist und in ihren Beziehungen gelebt wird.” (ONR ISO 26000, Austrian Standards Institute 2011)

Public Relations Verband Austria (PRVA)

„CSR ist (…) ein Ansatz, der gesellschaftliche Beziehungen so organisieren will, dass sich unternehmerisches Handeln aus eigenem Antrieb und zum eigenen Vorteil an gesellschaftlichen Wertehaltungen ausrichtet.“ (PRVA: Fachbereich CSR. Eine Einführung. September 2006, S. 6)

respACT – austrian business council for sustainable development

„Unternehmen beeinflussen mit ihrer wirtschaftlichen Tätigkeit – ihren Produkten, Dienstleistungen und Arbeitsplätzen – auf vielfältige Weise das Leben der Menschen und die Umwelt. Daher tragen sie auch weitreichende Verantwortung nicht nur für ökonomische, sondern auch für soziale und ökologische Folgen ihres Handelns. Umgekehrt sind Unternehmen auch selbst von gesellschaftlichen Entwicklungen – etwa demografischen Trends und ökologischen Herausforderungen wie dem Klimawandel – unmittelbar betroffen. Unternehmen, die ihre Verantwortung bewusst wahrnehmen, suchen nach Möglichkeiten, um etwaige negative Auswirkungen ihrer Tätigkeit zu minimieren und aktiv zur Lösung von akuten Problemen beizutragen. Sie berücksichtigen bei ihren Entscheidungen nicht nur ökonomische Ziele, sondern im Sinn der Nachhaltigen Entwicklung auch die Bedürfnisse künftiger Generationen.“

„Verantwortungsvolles und zukunftsfähiges Wirtschaften zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass

–   sich unternehmerische Entscheidungen an gesellschaftlichen Werten und ethischen Grundsätzen orientieren,

–   die Innovationskraft des Unternehmens dorthin geleitet wird, wo gesellschaftliche Herausforderungen zu lösen sind,

–   das Unternehmen sich als Teil der Gesellschaft sieht, im Dialog mit seinen Stakeholdern steht und transparent und offen handelt,

–   unternehmerische Entscheidungen laufend reflektiert und deren lokale, regionale und globale Auswirkungen beachtet werden.“

„CSR nach gängigem Verständnis ist ein integraler Bestandteil der Geschäftstätigkeit und wirkt sich auf alle unternehmerischen Entscheidungen und Unternehmensbereiche aus, setzt die Einhaltung von Gesetzen und die Wahrung der Menschenrechte voraus, ist Führungsaufgabe und braucht strategische Verankerung, erfordert eine systematische Umsetzung und Evaluierung in Form eines kontinuierlichen  Verbesserungsprozesses.“ (respACT, 2009)

Netzwerk Soziale Verantwortung (NeSoVe)

„Das Netzwerk Soziale Verantwortung … versteht soziale Verantwortung von Unternehmen als transparente, sozial, ökonomisch und ökologisch nachhaltige und diskriminierungsfreie Unternehmensführung, die einen ganzheitlichen Ansatz verfolgt und betroffene Interessensgruppen an Auswahl, Implementierung und Kontrolle von Corporate Social Responsibility-Maßnahmen beteiligt.“

http://www.netzwerksozialeverantwortung.at/pages/posts/corporate-social-and-environmental-responsibility-16.php [15.07.2014])

Europäisches Parlament

„Soziale Verantwortung der Unternehmen (CSR) bedeutet, dass diese eine unmittelbarere Verantwortung für die Bewältigung der sozialen und ökologischen Auswirkungen ihrer Tätigkeit übernehmen und offener rechenschaftspflichtig werden nicht nur gegenüber den Beschäftigten und ihren Gewerkschaften, sondern auch allgemeineren Akteuren einschließlich Investoren, Verbrauchern, örtlichen Gemeinschaften, Umwelt- und sonstigen Interessengruppen.“ (Bericht über die soziale Verantwortung von Unternehmen: eine neue Partnerschaft 2006/2133INI)

United Nations Industrial Development Organization (UNIDO)

“Corporate Social Responsibility ist ein Management-Konzept, demzufolge Unternehmen soziale und Umwelt-Anliegen in ihre Unternehmenstätigkeiten integrieren und mit ihren Stakeholdern interagieren. Generell wird CSR verstanden als der Weg, durch den ein Unternehmen die Balance zwischen ökonomischen, ökologischen und sozialen Notwendigkeiten erreicht („Triple-Bottom-Line“), während es gleichzeitig die Interessen seiner Anteilseigner und Stakeholder adressiert. In diesem Sinne ist es wichtig eine Grenze zu ziehen zwischen CSR, welches ein strategisches Business-Management-Konzept sein kann, und Charity, Sponsoring oder Philanthropie. Obwohl auch Letzteres einen wertvollen Beitrag zur Reduktion von Armut leisten kann, die Reputation eines Unternehmens steigert und die Marke stärkt, geht das Konzept von CSR darüber hinaus.“ (Eigene Übersetzung von http://www.unido.org/en/what-we-do/trade/csr/what-is-csr.html [14.07.2014])

World Business Council for Sustainable Development (WBCSD)

„Corporate Social Responsibility is the commitment of business to contribute to sustainable economic development, working with employees, their families, the local community and society at large to improve their quality of life.“ (The World Business Council for Sustainable Development in „Making Good Business Sense“ by Richard Holme and Phil Watts, http://www.wbcsd.org/web/publications/csr2000.pdf  [15.07.2014])

Was ist Nachhaltigkeit?

Das Konzept der Nachhaltigkeit hat sich aus einem Umweltschwerpunkt heraus entwickelt, umfasst heute aber die drei Bereiche Ökonomie, Ökologie und Gesellschaft, die auch als „Triple Bottom Line“ bezeichnet werden.

Grundlage dafür ist das Nachhaltigkeitsverständnis des 1987 veröffentlichten UN-Berichts „Unsere gemeinsame Zukunft“, auch bekannt als Brundtland-Report. Aus diesem Bericht stammt u.a. eine der bekanntesten Definitionen für Nachhaltigkeit. Demnach bedeutet Nachhaltige Entwicklung, „die Bedürfnisse der heutigen Generation zu erfüllen, ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen und ihren Lebensstil zu wählen.“

Was verbindet CSR und Nachhaltigkeit?

Die Verbindung zwischen CSR und Nachhaltigkeit wird heute unterschiedlich gesehen. CSR wird teilweise als „Beitrag zur Nachhaltigen Entwicklung“ bezeichnet bzw. werden die beiden Begriffe synonym verwendet wie in diesem Leitfaden. Tatsächlich leistet das gegenwärtige Wahrnehmen der Gesellschaftlichen Verantwortung von „Corporations“ (Körperschaften) einen Beitrag zur künftigen Nachhaltigkeit, andererseits stellt Nachhaltigkeit eine bedeutende Wertehaltung dar und ist somit Teil der Gesellschaftlichen Verantwortung. Unabhängig davon beziehen sich wesentliche Standards (z.B. für Berichte) gleichermaßen auf CSR- und Nachhaltigkeitsmanagement.

Es gibt aber auch prinzipielle Unterschiede: So verlangt Nachhaltige Entwicklung vor allem die Erarbeitung des Wissens, was nachhaltig ist und kann daher als expertengetriebener Ansatz bezeichnet werden. Das Konzept Gesellschaftliche Verantwortung (CSR) verlangt hingegen nach der Feststellung, was verantwortungsvoll ist und damit nach einem gesellschaftlichen Diskurs darüber. CSR muss „ausverhandelt“ werden und bedarf somit einer stärkeren Stakeholderorientierung.